In der Asylbewerberunterkunft Unna-Massen
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Hellweger Anzeiger vom 15.11.2014 | 

Stadt soll Veto zur Landesstelle zurücknehmen

Unna Die Haltung der Stadt zur Nutzung der Landesstelle spaltet die Politik. Die Gründen fordern jetzt, einen Ratsbeschluss gegen den Betrieb der Unterkunft zurückzunehmen - und ernten dafür harsche Kritik.

Die Eindrücke vom Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Mitte dieser Woche wirken bei den Grünen erkennbar nach. Die Fraktionsvorsitzende Charlotte Kunert hat nun einen umfangreichen Antrag an den Bürgermeister geschickt, um die Situation der Landesstelle komplett neu zu ordnen und zu bewerten. Erster Punkt ihrer Forderung: "Der Ratsbeschluss, eine Nutzung ohne Flüchtlinge in der ehemaligen Landesstelle in Massen gegen das Land einzuklagen, wird aufgehoben". Die Grünen möchten ein Zukunftskonzept für das Areal entwickeln - mit einem Nebeneinander von Hochschule und Flüchtlingsunterkunft. Der politische Mitbewerber sieht das kritisch.

Titelseite der Ruhrnachrichten vom 16.Juli 2014
Der Skandal geht weiter: Die ehemalige Landesstelle Unna-Massen - eine mit Steuergeldern gebaute Musterwohnanlage gebaut für 4000 Asylsuchende, soll nach dem Willen der Stadt Unna wieder leer stehen und dem Verfall ausgesetzt werden. Zur Zeit werden vom Roten Kreuz dort zwischen 4-600 Flüchtlinge erstversorgt. Die vollkommen intakten Wohnhäuser in einer parkähnlichen Anlage mit Spielplätzen, sollen nach dem jetzt erlassenen Gerichtsurteil geräumt werden. Hintergrund ist ein provinziell anmutender Streit zwischen dem Bürgermeister der Kleinstadt Unna am östlichsten Rand des Ruhrgebiets und Protagonisten im NRW Innenministerium sowie der Bezirksregierung Arnsberg. Die Stadt Unna hofft auf die seit Jahren erwarteten Investitionen einer privaten Fernuniversität aus dem bayrischen Erding in weitere Gebäude der früheren Landesstelle. Die Privatuniversität konnte bereits ehemalige Verwaltungsgebäude zu einem nicht öffentlich zugänglichen Preis von der Stadt Unna erwerben. Die Besitz- und Nutzungsverhältnisse an denen Stadt, Land und Bund beteiligt sind, sind nicht mehr durchschaubar. Fakt ist der zweifelhafte und sittenwidrige Umgang mit öffentlichem Eigentum. Unsere für den WDR - Red. Hier + Heute erstellte 30-minütige Doku "Platz ist da", sowie zwei mit Unterstützung der Filmstiftung NW entstandenen Kurzfilme sind wieder brandaktuell und können bei uns bestellt werden. (DVD 60 Minuten) In dem Beitrag kommt u.a. der ehemalige Leiter der Landesstelle Siegfried Pogadl zu Wort. Er setzt sich für eine weitere Unterbringung von Flüchtlingen in den vielen noch leerstehenden und zum Teil erst in den 90er Jahren errichteten baulich hochwertigen Wohnanlagen ein. Doch ohne öffentlichen Protest wird - wie bereits in den letzten 5 Jahren, die riesige Wohnsiedlung, vom Land NRW und der Bundesrepublik gebaut für Flüchtlinge, bald wieder leer stehen und zur Geisterstadt. Der von der Stadt Unna erwirkte Gerichtsbeschluss richtet sich de facto gegen die Not der angrenzenden Ruhrgebietsstädte Flüchtlinge unterbringen zu müssen. Der mögliche Spielraum, den Menschen in Not - viele davon aus den Bürgerkriegsgebiet Syrien geflohene Menschen; das Gespür diesen Flüchtlingen dort wo es naheliegt eine menschengerechte Bleibe zu geben, scheint den Verantwortlichen Unna's verloren gegangen zu sein. Um so bedauerlich ist das absurd und skurril anmutende Urteil welches besagt, dass die Unterbringung der Flüchtlinge rechtswidrig sei, da die Stadt das Gelände planerisch als Wohngebiet ausgewiesen habe. Dass dort zur Zeit Asylsuchende wohnen scheint nicht der Rede wert. Wie sehr man sich in der Provinz im Dschungel der Paragraphen verrennen kann lässt erschrecken ob des Wahnsinns einer selbstherrlichen Bürokratie die immun geworden scheint gegenüber öffentlicher Kontrolle. Um die Dimensionen des Ganzen zu verstehen kann ich nur raten Unna-Massen einen Besuch abzustatten: Platz wäre ausreichend da für weitere Flüchtlingen - so berichten auch frühere Mitglieder der Diakonie, die vor Ort einstmals die vielen Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien betreut haben. (Horst Herz, Dokumentarfilmer)
SUNDERWEG 1 - D 44147 DORTMUND - mail: hherz@filmsite.de www.filmsite.de

Filmvorführung von "Platz ist da" mit dem Filmemacher Horst Herz auf Anfrage unter mail: hherz@online.de

 

Geschichte der Landesstelle 

(Quelle Wikipedia)

Die Landesstelle für Aussiedler, Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen, Unna-Massen, ab 2008: Kompetenzzentrum für Integration war von 1951 - 2009 die erste wichtige Station für viele Zuwanderinnen und Zuwanderer in einer neuen Heimat. Insgesamt gesehen war die ursprüngliche Landesstelle in Unna-Massen bisher für mehr als 2 Millionen Menschen aus über 100 Ländern der Erde erste Anlaufstelle des Landes Nordrhein-Westfalen.

Aufgrund des starken Rückgangs der Einreisewilligen wurde die Landestelle am 30. Juni 2009 geschlossen. Aussiedler, Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge werden nun direkt an die Kommunen verwiesen.

 

Chronik

November 1945 Die britische Militärregierung gründet in der Wellersberg-Kaserne in Siegen das Hauptdurchgangslager für deutsche Kriegsflüchtlinge und Vertriebene. Diese stammten vor allem aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen aber auch aus anderen Ländern Osteuropas.

 

1948 Zum 1. April 1948 übernimmt der Sozialminister des Landes Nordrhein-Westfalen die Einrichtung.1951 Am 20. Mai 1951 beginnen in Unna-Massen die Bauarbeiten für die neue Landesaufnahmestelle mit 1.500 Plätzen.

 

Juni 1953 Volksaufstand in der DDR 1956-1958 Vor dem Hintergrund des großen Zustroms von Flüchtlingen aus der DDR wird die Liegenschaft  in zwei Bauabschnitten auf 153 Häuser erweitert. Die Aufnahmekapazität steigt dadurch auf 3.000 Personen. Darüber hinaus errichtet die Landesregierung NRW in anderen Bundesländern weitere sog. Gastlager.

 

13. August 1961 Bau der Berliner Mauer 1961 Bis zum Mauerbau erreicht die Zahl der Zugänge aus der DDR in diesem Jahr mit 32.087 Menschen einen Höhepunkt. 1978 – 1980 Das Schiff „Kap Anamur“ rettet mehrere Tausend „Boatpeople“ aus Indochina. Ein großer Teil dieser Flüchtlinge wird in der Landesstelle Unna-Massen aufgenommen.

 

9. November 1989 Fall der Berliner Mauer 1987– 1990 Konsequenz aus Gorbatschows Reformpolitik „Perestroika“ und „Glasnost“: Die Ausreisen Russlanddeutscher aus der Sowjetunion steigen kontinuierlich an. Mehr als 420.000 Aussiedler aus Osteuropa sowie Übersiedler aus der DDR werden in diesem Zeitraum in der Landesstelle aufgenommen.

 

1988 – 1989 Aufgrund der stark ansteigenden Zugänge  wird die Aufnahmekapazität der Landesstelle auf 3.600 Plätze erweitert.

Zur Aufnahme der Übersiedler aus der DDR werden vorübergehend 65 Außenstellen mit über 9.000 Plätzen eingerichtet. Außerdem errichtet die Landesstelle zwei neue Verwaltungsgebäude.

 

1990 Die Landesstelle nimmt im Rahmen einer humanitären Hilfsmaßnahme 900 albanische Botschaftsflüchtlinge auf. 1990/1991 Seit dem Zerfall des kommunistischen Systems kommen hauptsächlich Spätaussiedler und jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion nach Unna-Massen.

 

1991 Im Rahmen einer humanitären Regelung zwischen Bund und Ländern werden jüdische Zuwanderer aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland aufgenommen.

 

1992 800 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina werden auf Grund einer humanitären Vereinbarung zwischen Bund und Ländern in Unna-Massen aufgenommen.

 

1994 Die Landesstelle wird durch den Bau von sechs Wohnhäusern erneut erweitert. 1999 Rund 1.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Kosovo werden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung für einige Monate in der Landesstelle untergebracht.

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